Die Zeit vor Weihnachten gilt ja gemeinhin als Zeit der Wunder und der kleinen Überraschungen. Und Überraschungen konnte man in der Tat so einigen begegnen, wenn man in den letzten Wochen mit offenen Augen durch das Schulgebäude des GSGB ging: Da gab es bunte Luftballons in Raum 28, mit Geschenkpapier verkleidete Spinde gegenüber dem Lehrerzimmer, einen mit Fäden durchspannten Klassenraum, beklebte Dosen vor dem Sekretariat, die z. T. von der Decke hingen – und, und, und. Was war das eigentlich? Hatte das einen Sinn? Welchen? - Diese Fragen wird sich sicher so mancher gestellt haben.

Uns führte die Recherche schnell zur Quelle dieser ungewöhnlichen Raumgestaltungen: dem Kunst-LK von Frau Bublitz. Dessen Teilnehmer hatten die Aufgabe erhalten, einen beliebigen Ort der Schule mittels einer so genannten Installation neu erfahrbar zu machen.

Was sind Installationen? - Die Installation stellt "ein raumgreifendes oder ein den Raum definierendes künstlerisches Arrangement aus Objekten sowie Wand- oder Bodengestaltungen" dar; es handelt sich also gewissermaßen um ein eigenes künstlerisches Genre, eine eigene Kunstrichtung, die sich in jüngerer Zeit etabliert hat. Gerade für die Nicht-Künstler bedarf es jedoch einiger Erklärungen.

Da gab es zum Beispiel einen Obdachlosen-Schlafplatz direkt vor dem Seiteneingang der Aula, ein Projekt von Alyssa aus Jahrgang 11, das von vielen als verstörend wahrgenommen wurde. Alyssa hatte sich zuvor ausführlich mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigt, Interviews geführt, Skizzen angefertigt und vieles mehr, wie ihr umfangreiches Scrapbook, das Notizbuch der Künstler, dokumentiert. Ziel der Arbeit war es unter anderem, die Reaktionen der Passanten zu untersuchen.

Mit Leah aus Jahrgang 11 konnten wir sogar persönlich sprechen: "Meine Luftballon-Installation [Leah hatte blaue, weiße und rote Luftballons nach Farben getrennt in Raum 28 aufgehängt, Anmerkung der Redaktion] hat es sich zum Ziel gesetzt, auf die in der Unterstufe übliche Trennung von Jungs und Mädchen hinzuweisen. Gleichzeitig wollte ich eine positive Atmosphäre schaffen – Kinder mögen eben Luftballons." Und auch mit der Raumauswahl hat es eine Besonderheit: Raum 28 ist Leahs alter Klassenraum und so für sie mit vielen Erinnerungen verknüpft.

Das "Open your Eyes"-Projekt von Milica aus Jahrgang 11, angebracht im Vorbereich der Mensa, wollte auf Ernährungsfragen in der modernen Industriegesellschaft aufmerksam machen: Guckt hin, was ihr esst, macht die Augen auf!

Diese kleine Auswahl zeigt bereits, dass hinter den Fragezeichen, die sich bei so manchem Betrachter aufgetan haben dürften, durchaus ein tieferer Sinn steckt – mit Kunst muss man sich eben beschäftigen, um sie verstehen zu können.

Für Frau Bublitz war das Projekt ein voller Erfolg: "Man sieht, dass die Projekte zum Teil sehr gut durchdacht sind, dass viel Vorbereitung in ihnen steckt. Sie können den Betrachter berühren und zu einer echten, neuen Erfahrung führen."

Und so wehte in diesen letzten Wochen des documenta-Jahres 2017 ein Hauch der berühmten Kasseler Kunstausstellung auch durch die Hallen unserer Schule.

Ach, und wie war das mit dem Schneemann- und Tannenbaum-Projekt an den Fenstern der Mensa? Nein, das gehörte nicht zu den Installationen des Kunst-LKs. Ist das trotzdem auch Kunst? - Vielleicht, vor allem aber eine schöne Weihnachtsdekoration und ein sicheres Zeichen dafür, dass es bis zu den verdienten Ferien nicht mehr weit ist: Frohe Weihnachten wünscht die SchollZ!